„oxidativer Stress“

Der „oxidative Stress“ –ein Ausflug in die Zellphysiologie

Bei der Diskussion zur möglichen gesundheitlichen Relevanz infolge funktechnischer Expositionen, wo es also um Elektrosensitivität geht, steht der „oxidative Stress“ mit der gesamten Bandbreite der möglichen Folgen (Chromosomenbrüche, Krebs …) im Fokus der Diskussion. Grundsätzlich geht es hier um ein Defizit im Energiehaushalt des aeroben Stoffwechsel, also letztlich um einen Mangel am lebensnotwendigen Energieäquivalent ATP (Adenosintriphosphat). Die Frage ist hier also: was ist die Ursache dieser Fehlsteuerung?

Ursprünglich hat die biologische Zelle ihre Energie über einen anaeroben Stoffwechsel gewonnen, also ohne Sauerstoff. Im Laufe der Evolution wnderten in diese Ursprungszellen Bakterien ein, welche sich in der Zelle als Mitochondrien etablierten mit der besonderen Aufgabe, Sauerstoff als Energiequelle zu nutzen: der wenig effiziente anaerobe Stoffwechselweg wurde optimiert. Dass Mitochondrien ursprüngliche Bakterien sind, lässt sich elektronenmikroskopisch an Hand der Organellenstruktur nachweisen.

Mit jeder Zellteilung teilen sich für die folgende Tochterzelle auch die Mitochondrien, wobei diese wiederum Teile der zelleigenen Kern-DNA benötigen, denn mit der Symbiose haben die Mitochondrien die Eigenständigkeit der Zellteilung verloren. Ist dieses notwendige Zusammenspiel gestört, erhalten die Tochterzellen nicht mehr die ausreichende Menge an Mitochondrien, was dazu führt, dass der Energiestoffwechsel limitiert wird und der angebotene Sauerstoff als Zellgift wirkt, dem so genannten oxidativen Stress.

Die niedrige Energiebilanz dieser Zellen führt dann zu der Situation, dass die Duplikation der DNA  während der Zellteilung nicht vollständig erfolgt: es kommt zu Bruchstücken. Diese in der physikochemischen Analyse darstellbaren „Chromosomenbrüche“ müssen also unter einem anderen Gesichtspunkt diskutiert werden, wie sie derzeit im Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldwirkungen geführt wird. Nicht die direkte Wirkung auf das Genom ist die Ursache (was bei den hier zu diskutierenden elektromagnetischen Feldern energetisch auch nicht möglich wäre), sondern eine Informationsstörung zwischen Zellkern und Mitochondrien während der Zellteilung. Verstärkt wird diese Situation durch die im oxidativen Stresss entstehenden Radikale.

Es kommt also bei den hier gegebenen Feldintensitäten nicht zu (mechanischen) Chromosomenbrüchen, sondern zu einer unvollständigen DNA-Synthese. Im Allgemeinen wird hier der weitere Vorgang der Zellteilung ohne weitere biologische Relevanz unterbrochen, was aber mögliche Mutationen nicht ausschließt.

Was ist Krebs