Grenzwerte -ein Trojanisches Pferd

Grenzwerte -ein Trojanisches Pferd

Diese Metapher, die für viele Bereiche geltenden Grenzwerte als Trojanisches Pferd zu „verpacken“, entspricht der Realität, denn auch hier wird die Wahrheit versteckt
So, wie das „Danaer-Geschenk“ seinerzeit die kriegerische Streitmacht „versteckte“, ist es auch mit den immer wieder diskutierten Grenzwerten, die eine scheinbare Sicherheit versprechen.
(Übrigens: Laokoon warnte erfolglos die Trojaner; heute warnen –ebenso erfolglos- die Grenzwert-Geschädigten)
So werden in der 26. BImSchV (Bundesimmissionsschutzverordnung) Immissionsgrenzwerte für elektromagnetische Felder festgelegt, die sich an den physikalischen Gegebenheiten orientieren, dass ausschließlich der Energieeintrag mit der Folge einer für ein Biosystem kritischen Temperaturerhöhung der Bewertungsmaßstab ist. Biowissenschaftler wurden 1996 bei den Beratungen nur ergebnisorientiert in diese Diskussion einbezogen. Geändert hat sich bis heute daran nichts.

Die Grenzwerte wurden an einem Phantom entwickelt

  (Menschliches Körpermodell mit gewebeäquivalenter Flüssigkeit gefüllt)

Dieser theoretische Ansatz wurde übrigens an Leichen im Forschungszentrum Seibersdorf  (Österreich) überprüft.  

So erklärt sich die maximal zulässige (frequenzabhängige) Leistungsflussdichte für elektro-magnetische Felder der Kommunikationstechnik (GSM, WLAN…) mit 10 W/m².
Basis der gesamten derzeitigen Grenzwertdiskussion zu elektromagnetischen, elektrischen und magnetischen Feldern ist die DIN/VDE 0848. Konkret bedeutet dieses, dass keine Gefahr für den Menschen besteht, wenn die dort festgeschriebenen Vorgaben eingehalten werden. Nicht diskutiert wird die Realität, dass es bei weitaus geringeren Immissionswerten über einen längeren Zeitraum zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt. Oder kommen kann -wie es der Gesetzgeber gerne sieht-, da nicht jeder auf elektromagnetische Felder reagiert.
Mit der Individualität des Betroffenen zeigt sich das grundsätzliche Problem bei jedem Grenzwert: es wird nur monokausal eine belastende Noxe gesehen, ohne darauf zu achten, ob eine weitere –auch grenzwertsichere- Störgröße zusätzlich auf den Menschen wirkt.
So wird die Belastung durch Lärm über die Regularien der „TA Lärm“ (Techn. Anweisung Lärm) definiert. Es gibt zwar Definitionen, für welche Breiche (Wohn-/Industriebereich) die entsprechenden Werte gelten, jedoch wird die Frequenz des Schalls mit dem Korrektur-„faktor“ (dB -> dB(A) nicht ausreichend berücksichtigt. Besonders im Bereich des Infraschalls (< 16 Hz), deren Ursache durch Resonanzen industrieller Großanlagen (Stromleitungen, Pumpen in Kläranlagen..) zu sehen ist, gibt es keine verbindliche Regelung.
Dieses zeigt sich häufig dann, wenn Unfälle durch Chemikalien hinsichtlich der gesundheitsrelevanten Gefährdung nur über eine toxische Substanz bewertet werden. Hier bestätigt sich der geringe Wert der durchweg praktizierten Mitteilung „es besteht keine akute Gefährdung“, wenn im Weiteren dann die Betroffenen über durchaus längere Zeiträume „klinisch beobachtet“ werden, da das weitere Geschehen nicht der gegebenen Norm genügt.
Noch fragwürdiger sieht die Diskussion zu einer radioaktiven Belastung aus, da es hier bei der fstgeschriebenen „Äquivalentdosis“ viele Fragezeichen gibt. Die hier praktizierte statistische Bewertung eines möglichen Gefährdungspotenzials stützt sich auf Erfahrungswerte oder Daten, wo für eine statistisch belastbare Aussage zu einem biologischen Ereignis nicht alle Eingangsvariablen bekannt sein dürften. Dass dieser für jede Statistik geltende Grundsatz nicht immer eingehalten wird, findet sich auch in anderen Bereichen. So sollte auch der Wert vieler medizinischer Dokumentationen zu pharmakologischen Studien hinterfragt werden, was der Grund der immer umfangreicheren Beipackzetteln ist.
Schwierig wird es natürlich, wenn –wie bei der Elektrosensitivität ein Dosis/Wirkungsmodell für niedrigenergetische Immissionen fehlt und insbesondere die Schnittstelle zwischen elektromagnetischem Feld und Mensch nicht bekannt ist. Die dann oft pseudowissenschaftlich einseitig und interessensorientiert geführte Diskussion eröffnet einen „barrierefreien“ Spekulationsraum, der dem wirklich Betroffenen keineswegs hilft.
Bleibt die Frage, ob es hier eindeutige Grenzwerte gibt.
Der Mensch lässt sich nicht über Algorithmen definieren, -auch wenn jetzt dieses  in der medizinischen Diagnostik im Zusammenhang mit der Digitalisierung zunehmend praktiziert wird. Die Antwort ist also: es gibt für das Biosystem „Mensch“ keine sicheren Grenzwerte (Weiteres s. „Medizinphysik“).